Die Zentrierung – in der Wirbelsäule, im Bewusstsein und in einem Ideal

Bei Buddha-Statuen im Lotussitz kann man z.B. gut die aufgerichtete und zentrierte Wirbelsäule sehen.

Die Ausarbeitung eines Wortes in verschiedenen Ebenen wird als Seelenübung in dem Buch „Übungen für die Seele“ beschrieben. Ein Begriff erhält auf diese Weise konkrete Vorstellungen. Dieser Inhalt war Teil der Yogalehrerausbildung vom 10. /11. 9. 2021.

Anmerkung zum Beitragsbild: Bei Buddha-Statuen im Lotussitz kann man zum Beispiel gut die aufgerichtete und zentrierte Wirbelsäule erkennen.

Die Zentrierung in der Wirbelsäule

Meist versteht man unter der Bezeichnung “Zentrierung der Wirbelsäule” eine Art von Fixierung. Dies sei mit Zentrierung hier nicht gemeint. Es gibt Körperhaltungen, in denen man die Wirbelsäule mehr als innere „Achse“, als inneres „Zentrum“ erlebt, als in anderen Haltungen. Diese Körperhaltungen geben ein Empfinden von einem Zentriertsein in der Wirbelsäule. Im Lotus zum Beispiel kann man die Wirbelsäule besonders zentriert empfinden. Als Lernschritt wurde das Erleben eines Zentriertseins in der Wirbelsäule in verschiedenen Yogaübungen bewusst entwickelt. Grundsätzlich auf den Menschen bezogen kann man sagen, dass das Erleben eines Zentriertseins in der Wirbelsäule damit zusammen hängt, dass man einen Gedanken, eine Idee ausarbeitet. (siehe Zentrierung im Bewusstsein)

Die Yogaasana kann im Allgemeinen das Erleben der Wirbelsäule als zentrale Achse förderlich beeinflussen. Während dieses Aufrichtens der Wirbelsäule erlebt der Übende die zentrale Achse seines Körpers.

Die Arme, der Hals und Kopfbereich werden entspannt und führen/tragen die Wirbelsäule nach hinten hinaus

Schließlich werden die Arme geschlossen und man zieht sich über die Arme mit der Wirbelsäule in die Rückwärtsbeuge – Die Wirbelsäule wird als zentrale Achse erlebt

Die Zentrierung im Bewusstsein

Was heißt das eigentlich, dass man sein Bewusstseins so zentriert, dass man es in jeder Situation verfügbar halten kann?

Wenn man sich mit seinem Bewusstsein zu einer äußeren Sache, einem Gegenstand, einer Situation etc. hin zentrieren kann, sein Bewusstsein führen kann, dann kann es weniger abgelenkt werden oder von äußeren oder inneren Emotionen überwältigt und fremdgeleitet werden. Man kann dann sagen, dass man auf diese Weise in seinem Bewusstsein stärker zentriert ist und das Bewusstsein verfügbar bleibt. So wie man sich in seinem Bewusstsein in einer Sache zentrieren kann, kann man sich auch bewusst in einem Gedanken zentrieren. Wenn ein Mensch einen Gedanken länger denkt und ihn so durcharbeitet, dass er in jeder Unterrichtsform, in jeder Situation anwendbar und verfügbar ist, dann erlebt er sich in einem Gedanken zentriert. Er kann diesen Gedanken flexibel anwenden, er ist ihm immer verfügbar. Der Lernschritt ist: wenn man einen Gedankeninhalt nicht richtig ausarbeitet und stattdessen mit subjektiven, gefühlsmäßigen Wünschen vermischt, dann entsteht ein anders Ergebnis. Man erzeugt dann seine eigene gefühlsmäßige Welt – wie noch einmal in all dem, was man tut und man bringt dann in seinen Taten nicht eine geistige Schaffenskraft zum Ausdruck. Grundsätzlich ist die Konsumhaltung das Gegenteil von einer sich entfaltenden Schöpferkraft, sie ist wie eine einsaugende Kraft, man nimmt in sich hinein. Damit entsteht ebenfalls keine Zentrierung im Bewusstsein, sondern starke Unruhe.

Auf die Yogaübungen bezogen kann man auch einen Gedanken, eine Idee schöpferisch zum Ausdruck bringen. Diese Idee strahlt dann aus einer Yogaübung aus, wenn man sie sich erarbeitet hat. Die Yogaübung erhält dann eine Ausstrahlung bzw. einen geistigen Ausdruck. Auf die Korrektur einer Yogaübung bestand der Lernschritt darin, dass man als als Lehrer den zu Korrigierenden zu einem Bewusstsein und einer Idee führen kann oder den Schüler in sein eigene subjektive Welt “hineinkorrigiert”. Es sollte durch die Korrektur, der Übende grundsätzlich mehr zu der Yogaübung bzw. zu einem konkreten Gedanken einen Bezug erhalten.

Die Zentrierung im Inhalt bzw. im Ideal oder in einem höheren Sinn

Eine nächste Stufe bildet die Zentrierung in einem Ideal. Diese entsteht, indem man einen geistigen Inhalt mit universaler Gültigkeit ausarbeitet. Der Mensch wird dann zum Repräsentant dieses Ideales und er entwickelt durch diese Zentrierung in einem Inhalt eine sehr starke Zentrierung in seiner Persönlichkeit und zugleich eine große Offenheit und Stabilität nach außen. Er erlebt sich dann in sich sehr stark zentriert, er fühlt eine Kraft in seiner Persönlichkeit und auf der anderen Seite steht er der Welt und seinen Mitmenschen frei gegenüber. Er steht “selbst-ständig“, er hat „Haltung“, er repräsentiert mit seiner „Individualität“ eine schöpferische Kraft. Dann, wenn ein geistiger Inhalt durch einen Menschen ausgearbeitet wird, individualisiert wird, repräsentiert der einzelne Mensch diesen Inhalt, er wird zu seiner authentischen Persönlichkeit. Heinz Grill beschreibt in seiner geistigen Schulung diese Entwicklung repräsentativ als die Ausbildung des Herzzentrum des Menschen.

Das Gegenbild von einer Individualität ist, dass der Mensch nur in einem Gruppengefühl beheimatet bleibt und selbst nicht eigenständig in einer eigenen, bewussten Formung sein Leben in die Hand nimmt. Wenn er selbst unabhängig werden möchte, muss der Mensch gerade lernen, selbst seinem Leben Form und Gestalt zu geben. Dann steht er eigenständig und unabhängig von Gruppengefühlen oder Gruppenbewegungen als Individuum der Welt schöpferisch gegenüber.

Der Inhalt und der “Nicht-Inhalt” im gesprochenen Wort – ein praktisches Experiment mit Dr. med. Jens Edrich

Man kann aus “Nicht-Inhalten” Inhalte erzeugen

Das Experiment

Die Übung ist einfach aber sehr ausdruckskräftig: jemand spricht ein und den gleichen Satz einmal mit Inhalt und einmal als “Nicht-Inhalt” aus und es werden die Wirkungen bei den Hörern wie auch bei dem Redner erforscht. Als dritter Schritt wird aus der Aussage ohne Inhalt der Inhalt erzeugt.

Folgende Aussage wird von Jens Edrich einmal ohne und einmal mit Inhalt gesprochen: “Der Mensch hat ein nachtodliches Leben”

Die Aussage ohne Inhalt – und ihre Wirkung

Als der Satz ohne Inhalt ausgesprochen wird, entstehen bei den Zuhörern sehr schnell Abwehreaktionen, die Aussage wirkt wie ein Dogma, sie ist regelrecht gewaltig und fest, und man wird nicht zu dem Inhalt angeregt, man entwickelt als Zuhörer keinen weiteren Fragen, Überlegungen sondern bleibt in einer Abwehrhaltung und Antipatie, ja man wird sogar in eine Gegenreaktion getrieben. Es ensteht damit keine Verbindung zu dem Thema, und zu anderen Menschen sondern eine Spaltung. Diese Reaktionen konnte man bei allen Teilnehmern feststellen. Indem wir mit Antipatie reagieren, geben wird jedoch unsere Energie genau dieser Person hin. Bei dem Redner entstand im Gegensatz dazu das gierige Gefühl der Energie, das mächtige Gefühl die Aussage für sich zu besitzen. Der Redner fühlte sich von den Zuhörern durch ihre Reaktion sogar darin bestärkt weiter in diesem Gefühl zu bleiben.

Die Aussage mit Inhalt – und ihre Wirkung

Wird die selbe Aussage mit einem Inhalt ausgesprochen war eine bemerkenswert andere Reaktion erlebbar. Es ensteht ein Interesse an den Worten, man denkt selbst den Inhalt weiter, man wird in seinem Gedankenleben angeregt und stellt gleich innerlich zu dem Thema weitere Überlegungen an, man verspürte als Hörer den Wunsch mit demjenigen, der die Aussage ausgesprochen hat ein Gespräch zu beginnen. Bei der Aussage mit einem Inhalt entstand im Raum keine Abwehr, sondern ein Interesse, ein Kommunikationsraum. Damit ein Inhalt existiert, muss er von dem der spricht bewusst erzeugt werden, er muss sich den Inhalt denken und im Moment des Sprechens erschaffen, damit er vorhanden ist. Der Redner sagt etwas nicht nur so dahin oder vertritt einen dogmatischen Anspruch, sondern er spricht die Worte in wachem Bewusstsein aus.

Die Erzeugung eines Inhaltes aus einem Nicht-Inhalt

Die letzte Übung ist wohl am interessantesten und lehrreichsten. Indem man wie beim ersten Mal einen Nicht-Inhalt nur abwehrt, verbleibt man bei einer rein emotionalen Reaktion. Man bleibt passiv. Wenn man einen “Nicht-Inhalt” jedoch wahrnimmt und sich fragt: Was fehlt, was wäre denn eigentlich der Inhalt?“ wird man geistig aktiv. Man erzeugt dann aus einer Aussage, die ohne einen Inhalt ausgesprochen wurden den Inhalt.

Der Lernschritt dieser Übung war, dass dieses Entgegengehen auf einen “Nicht-Inhalt” sowohl etwas mit dem Menschen macht, den wir auf diese Weise anschauen wie auch mit uns selbst. Sowohl derjenige der spricht, wie auch die Zuhörer konnte nämlich nicht mehr im “Nicht-Inhalt” bleiben. Der Redner musste seinen “Nicht-Inhalt” verlassen und die Zuhörer konnte nicht in ihren Antipatie- und Abwehreaktionen bleiben. Es entsteht dann stattdessen der Inhalt im Raum, der ganze Raum ist wie angehoben und bleibt in einer freien Atmosphäre. Der Lernschritt war, dass in der Erzeugung von Inhalten ausgehend von “Nicht-Inhalten” deswegen eine große Möglichkeit liegt. Man verliert damit dann auch nicht seine Energie durch die Antipatie und Abwehr an den Redner, sondern man reagiert bewusst, erschaffend und verwandelnd und erzeugt den Inhalt – und das gerade dann, wenn er in einer Aussage nicht lebt.

Das folgende Video zeigt das praktische Experiment mit Referent Jens Edrich, das an der spirituellen Hochschule durchgeführt wurde. Es wird ein und dieselbe Aussage einmal mit Inhalt und einmal ohne Inhalt gesprochen und die unterschiedlichen Wirkungen daraus erlebt und beschrieben. Zuletzt wird aus der Aussage eines “Nicht-Inhaltes” ein Inhalt erzeugt.

Die Aussage als “Nicht-Inhalt”

Die gleiche Aussage mit Inhalt gesprochen

Das Erzeugen eines Inhaltes aus einem “Nicht-Inhalt”

Das Grenzüberschreiten

Der Begriff in drei Bedeutungsebenen
Inhalt der Yoga-Trainingstage 4./5.Sept.

Körperliche Ebene

Wenn man mit dem Körper mehr leistet als bisher, dann findet beim Körper ein Grenzüberschreiten statt. Beispielsweise unternimmt jemand eine Wanderung und geht statt den gewöhnlichen 3 Stunden, einmal 5 Stunden lang auf einen Berg. Man übersteigt so eine körperliche Grenze.

In einer Yogaübung war der Lernschritt, dass man eine größere Ausdehnung und Weite im Ausdruck des Körpers erzielen kann. Diese Ausdehnung bzw. Weite im Ausdruck ist ein Ergebnis des sogenannten aktiven, dritten Zentrums, der Bereich in der Mitte der Wirbelsäule. Dieser mittlere Bereich der Wirbelsäule kann eine große Dynamik und Spannkraft freisetzen. Das Geheimnis der Ausdehung und Weite liegt darin, dass man zum einen den ganzen Körper – vor allem die Arme, die Schultern und den Hals/Kopf -Bereich mehr löst und leichter macht und sich gleichzeitig stärker in der Wirbelsäule zentriert. Gut geeignete Übungen hierfür sind der Bogen, Dreieckstellungen, die Kopf-Knie-Stellung, der Halbmond oder das Kamel.

Als Ergebnis von dieser Loslösung und gleichzeitiger Zentrierung in der Wirbelsäule entsteht ein Ausdruck von Weite im Körper. Der Körper wirkt nicht mehr so geballt oder getrennt von der ihn umgebenden Räumlichkeit oder gar abgeschirmt und „physischer“, sondern er wird mehr Teil des Räumlichen, er geht auf den Raum zu. Der Körper wird sogar mehr in den Raum hineinintegriert – er wird mehr Teil des „Raumes“ und fügt sich weit und offen in den Raum ein.

Das “Sich-Leicht-Machen” – der ganze Körper, aber insbesondere der obere Teil des Körpers, wird mehr losgelassen und entspannt.
In diesem Video kann man bei der Demonstration von Heinz Grill dieses Leicht-Machen und gleichzeitige Zentrieren in der Wirbelsäule sehr gut sehen.
Gleichzeitig wird die Wirbelsäule stärker zentriert – und zieht sich dann über die Arme in den Raum hinaus – der Körper wirkt wie, als sei er stärker in den Raum miteinbezogen.
Hier kann man die Zentrierung in der Wirbelsäule ebenfalls sehr gut beobachten.

Bewusstseinsebene

Das Grenzüberschreiten kann man auch auf die Bewusstseinsebene beziehen. Man denkt sich beispielsweise „das kann ich nicht“ und bleibt somit innerhalb seiner Grenzen mit dem Bewusstsein stehen. Zum Beispiel macht man eine Körperübung und denkt sich: “die kann ich ohnehin nicht”. Damit übersteigt man jedoch im Bewusstsein nicht die Grenze, dass man sich vorstellt, wie es wäre, wenn man es könnte. Indem man sich, obwohl man etwa nicht kann, überlegt, was man könnte und wie es wäre, überschreitet man eine Grenze im Bewusstsein.

Der Lernschritt auf Yogaübungen bezogen, war, dass man Menschen in ein neues Bewusstsein zu einer Körperübung oder Form führen kann. Man kann direkt in der Anleitung und auch in der Korrektur einen Menschen zu einem neuen Erleben führen. Hierzu braucht der Lehrer jedoch eine konkrete und lebendige Vorstellung, wie diese ideale Form aussieht. Man setzt bei einer Korrektur primär nicht am Problem des Körpers an, sondern beginnt direkt aus der Idee und formt den Körper aus der Idee aus.

Der Korrigierende hat eine konkrete Idee zum Ideal der Übung.
Der Korrigierende erschafft ein Empfinden zu diesem Ideal und formt den Körper des Teilnehmers danach.

Höherer Sinn

Wenn man sich nun ein höheres, allgemeingültiges Ideal vorstellt, dann übersteigt man nochmals die Grenze des persönlichen Bewusstseinsfeldes. Ein Gedanke, der für alle Menschen von Wert ist, geht über das persönliche Bewusstsein hinaus. Auch indem man sich fragt, was brauchen heute die Menschen, kommt man zu einem höheren Sinn und übersteigt nochmals die Grenzen des persönlichen Bewusstseins.

Auf eine Yogaübung bezogen, wurde herausgearbeitet, dass man sich zu einem Gedankeninhalt hinwendet, den man ausdrücken möchte, und dass man damit vollständig alle Subjektivität, alle Emotionen, Willensregungen etc. verlässt. Dies kann auch als Grenzüberschreiten bezeichnet werden. Man wendet sich einem Gedanken hin und hält ihn in der Aufmerksamkeit. Der Gedanke entfaltet so eine Wirkung und einen Ausdruck und man formt ausgehend vom Gedanken die Übung aus. Der Lernschritt war, dass man diesen Gedankeninhalt bewusst in seinem Gedankenleben plastizieren und erzeugen muss, damit er existiert.

Wie wählt man einen Inhalt

Wie wählt man einen Inhalt?

Thema des Studienwochenendes (14./15.8.2021).

Der Lernschritt dieses Studienwochenendes war, dass die seelisch-geistige Entwicklung mit der Entwicklung eines konkreten Inhaltes verbunden ist. Die wesentlichste Erkenntnis dabei war, dass man einen Inhalt nicht erst “erreichen” muss oder “zu ihm finden muss”, sondern dass man ihn durch einen bewusste Entscheidung wählt und/oder durch die Frage: Was braucht die Zeit? Was fehlt? formuliert. Es geht nicht darum, zu einem Inhalt erst hinzukommen, sondern darum, sich einen Inhalt zu setzen, zu formulieren und direkt zu verwirklichen.

Der Beginn liegt in einem gemeinsamen Ziel der seelisch-geistigen Entwicklung, in dem Willen nach einer seelisch-geistigen Entwicklung. Dabei ist wichtig, sich bewusst zu machen, was man selbst unter seelisch-geistiger Entwicklung versteht und zwischen Folgen und Zielen zu unterscheiden. Will man als Ziel Harmonie entwickeln, dann beschrieb Heinz Grill dies nicht als ein Ziel, sondern als ein Ergebnis, als Folge. Ein Ziel selbst ist ein universales Ziel für alle Menschen. Eine Folge des erreichten Zieles wäre die Harmonie. Damit die seelisch-geistige Entwicklung fassbar wird, braucht es einen konkreten Inhalt.

Indem man in die Welt schaut und sich fragt: Was braucht es, was fehlt?, wird man aufmerksam und kann aus der Wahrnehmung zur Welt und den Menschen einen Inhalt entwickeln. Leistung beispielsweise ist häufig negativ mit Druck und „Gehorsam“ konnotiert. Es fehlt die Schönheit der Leistung eines schöpferischen Menschen, die freie und selbstbestimmte Dimension der Leistung heute vielmals.

Eine weitere Möglichkeit, einen Inhalt zu wählen, ist direkt durch die spirituelle Literatur. In spiritueller Literatur kann man viele bereits niedergeschriebene und brauchbare Inhalte finden und umsetzen, die bereits entwickelt wurden.

Als letztes gilt es, Bindungen zu eliminieren. Bindungen stehen der Umsetzung eines Inhaltes entgegen, sie verhindern die seelisch-geistige Entwicklung.

Der Lernschritt

Zu einem Inhalt muss man sich selbst entscheiden, man kann ihn nicht passiv übernehmen. Ein Beispiel für einen Inhalt ist das Herzzentrum oder die positive Beziehung des Menschen zur Leistung. Der häufigste Fehler darin besteht, dass man meint, man müsse erst zum Inhalt hinkommen, ihn verstehen und erreichen etc. Der Inhalt existiert jedoch bereits, man kann ihn nehmen und sofort beginnen, mit ihm zu arbeiten. Man kann ihn sich als Ziel „setzten“ und direkt von ihm ausgehen. Hierfür muss man Bindungen eliminieren. Die Bindungen hindern an der Realisierung eines universalen, geistigen Inhaltes.

Weiterführende Videos/Links/Bücher

Was ist mein Inhalt. Heinz Grill und Axel Kindermann bewegen die Frage: Wie komme ich zu meinem Wesenskern? Teil 1 der Aufzeichnung des Seminars vom 24.7.2021 in Veringenstadt zum Thema: Dialogfähigkeit und Dialogführung im spirituellen sozialen Prozess.

Das Denken ausgehend von einer Grundidee

Inhalte aus der Yogalehrerfortbildung vom 9.-11.7.2021, Referent: Heinz Grill

Der Gedanke wird aus sich selbst schöpferisch“ (Heinz Grill)


1. Die längere Konzentration auf die Grundidee

Das Denken, über das Heinz Grill in dieser Fortbildung referierte, ist ein künstlerisches, kreatives, schaffendes Denken, das immer in einer Grundidee beginnt.

Diese Form des Denkens ist unabhängig von bisherigem Wissen, Erfahrungen und alten Gedankengängen. Man denkt nicht in den persönlichen Denkmustern, sondern ausgehend von einer Grundidee. Diese Grundidee nimmt man längere Zeit in eine Konzentration. Man nimmt einen Gedanken in die Aufmerksamkeit und bleibt bei diesem Gedanken. Als Beispiel wählte Heinz Grill den Gedanken zu der Kopf-Knie-Stellung (pascimottanasana) das: „aktive Hinwenden zur Materie/zu einer Sache.“ Diese Aussage hält man für längere Zeit in der Konzentration und betrachtet sie. Es entsteht durch das konzentrierte Anschauen ein Bild, eine lebendige Vorstellung.

Wir müssen unterscheiden zwischen Intellektualismus und gedanklicher Seinssubstanz“ (Heinz Grill)

Das längere Denken einer Idee macht man normalerweise nicht. Normalerweise wird das Denken mehr von Erinnerungen, Assoziationen, Wissensfragmenten, Gefühlen und Wünschen geleitet, was in automatischen Assoziationsketten geschieht. Dieses Denken ist jedoch nicht gemeint. Man wendet sich einer Grundidee hin und hält diese längere Zeit in der Konzentration. Es geht dabei nicht um Wissen, sondern um das Platzieren und Halten des Gedanken. Wenn man einen Gedanken längere Zeit in der Aufmerksamkeit oder Konzentration hält, und die Betonung beim schöpferischen Denken ist bei: „längere Zeit“, dann wird der Gedanke schöpferisch.

Der Gedanke wird aus sich selbst schöpferisch“ (Heinz Grill)

Dieses zu tun, bedeutet auch Askese, denn man hält einen Gedanken aufrecht, was einem im Moment keine Nützlichkeit bringt. Man hält ihn aufrecht, bis der Gedanke schöpferisch wird. Dieser Prozess ist selbststärkend.

2. Das Weiterdenken ausgehend von der Grundidee

Darauf folgt der nächste Schritt: Aus dem Gedanken kann sich die Idee nun weiter entschlüsseln. Man denkt nun gewissermaßen aus der Grundidee selbst heraus und entwickelt aus ihr alle weiteren Gedanken neu heraus. Man entwickelt aus der Idee des „aktiven Hinwendens zur Materie“ den Gedanken weiter. Wie ist ausgehend von diesem Gedanken der gesundheitliche Wert, die Ästhetik, die Synthese mit dem Leben, die Pädagogik zu denken?

An dieser Stelle ist ein wichtiger Lernschritt, dass es nicht darum geht, zu wiederholen, was man bereits weiß. Obwohl man vielleicht schon etwas weiß, kehrt man zur Grundidee zurück. Man entwickelt den Gedanken selbst ausgehend von der Grundidee weiter. Man achtet darauf, nicht auf altes Wissen zurückzugreifen.

Wir dürfen dafür nicht zurückgreifen auf das Wissen, was wir haben, sondern das Wissen gewissermaßen neu beleben mit diesem Gedanken.“ (Heinz Grill)

Folgende Denkaufgabe wurde bearbeitet:

Arbeiten sie den gesundheitlichen Wert, die Ästhetik, die Pädagogik ausgehend von der Grundidee des „aktiven Hinwendens zur Materie/Sache“ heraus.

Eine Teilnehmerin denkt beispielsweise diesen Gedanken in Bezug zur Gesundheit so weiter: „Wenn man sich aktiv einer Sache hinwendet, sich bewusst hinwendet und diese bewusst durchdringt, dann kann man das Wahrgenommene eingliedern und integrieren. Es wird Teil von einem selbst. Hingegen in der Passivität nimmt man viele Sinneseindrücke unbewusst auf, man kann diese nicht einordnen und es entsteht eine innerliche Unordnung und Unruhe.“

Wenn der Mensch nicht aktiv zur Sache kommen kann, dann wird er schwächer. Er braucht das Gefühl der Selbstwirksamkeit, das entsteht, wenn man sich aktiv einer Sache hinwendet. Er braucht das Gefühl, dass er selbst etwas tun kann. – Mit diesen Worten beschreibt Heinz Grill den Gedanken weiter.

Wenn man sich einer Sache aktiv hinwendet, gezielt hinwendet, wendet man sich zielgerichtet, zentriert nach außen. Die Kopf-Knie-Stellung drückt eine solche zielgerichtete Bewegung aus. Die Wirbelsäule strebt exakt und zentriert nach vorne. Indem man die Wirbelsäule in der Kopf-Knie-Stellung gut vor allem in ihrer Mittelregion zentriert, kann sie besonders stark nach vorne hinausstreben.

… ausgehend von diesem Prinzip kann man in jede Richtung einen Gedanken weiterentwickeln….

Wesentlicher Lernschritt

Wichtig beim schöpferischen Denken ist, dass der Grundgedanke nicht verändert wird. Darauf ist zu achten und man muss es bei sich selbst bemerken lernen. Der häufigste Fehler ist, dass man sich nicht lange genug in der Konzentration aufhält. Man verändert die Grundidee zu schnell. Das Durchhalten des Gedankens ist wesentlich, es ist eine Konzentrationsfrage. Das Durchhalten des Gedankens ist wesentlich dafür, dass ein rundes Ergebnis erzeugt wird, dass der Gedanke sich ausdrückt. Wenn man den Gedanken länger denken lernt, gibt er Kraft. Der Gedanke wird dann lebendig, er lebt dann im Ätherischen.


Lernfragen:

Warum darf der Grundgedanke nicht verändert werden?

Warum wird der Gedanke selbst schöpferisch?

Was bedeutet die Aussage, dass wir im Ätherischen einen Gedanken bilden/erschaffen, und er sich ausspricht? (Dieses Bild ist ein Synonym für den Begriff der Konzentration). Was heißt das? Wie sieht es aus, dass ein Gedanke ätherisch in Konzentration erschaffen wird?


3. Die Arbeit aus einer Grundidee im Yoga

Das sechste Zentrum beginnt in der Idee, diese wird ausgestaltet.“

Indem man sich eine Vorstellung schafft, z. B. sich eine Linie im Raum vorstellt, ist das Bewusstsein in dieser Vorstellung. Es ist frei vom Körper, außerhalb vom Körper. Damit sind wir in einer körperfreien Dimension. Wir erschaffen einen Einsatz, der gleichzeitig nicht körpergebunden ist. Es ist zwar eine Körperübung, aber trotzdem mehr ein seelischer Ausdruck einer Bewegung.

„Für den Körper bestimmen wir die Form“ (Heinz Grill)

Wenn man so aus einer Grundidee eine Yogaübung ausführt, dann arbeitet man mit dem Körper und wird zugleich freier vom Körper. Indem man vom Körper noch weiter weg geht, ihn loslässt, und dann mit einer Idee frei an ihn herantritt, entsteht ein freierer Umgang mit dem Körper.

Ich gehe nicht in den Körper hinein sondern weiter heraus, und dann ausgehend von der größeren Weite kann ich wieder leichter zu ihm kommen“ (…) „Ich gehe mit der Aufmerksamkeit nicht unmittelbar zum Körper, sondern erst in den weiten Raum heraus. Dann blicke ich wieder auf den Körper.“ (Heinz Grill)

Man benötigt eine gute Vorstellung und Konzentration. Man muss sich in Momenten frei machen von Determinationen des Körpers. Ausgehend vom größeren Gesamten kehrt man dann wieder zum Körper zurück und nicht umgekehrt. Man geht gleich zum Körper hin, das ist wesentlich. Den Atem lässt man vollkommen frei. Zuerst ist ein vollständiges Vergessen des Körpers notwendig, und im Moment der vollkommenen Gelöstheit des Körpers geht man dann weiter in die Bewegung hinein.

Wir haben in einer Bewegung immer eine Loslösung vom Körper.“

Wenn der Körper zurückweicht, entsteht ein anderer Energiehaushalt. Wir kommen im Ätherischen an. Dafür müssen wir unser Bewusstsein gut in ein Verhältnis setzen zum Physischen.

„Der Körper wird durch Loslassen überwunden, damit wir frei vom Körper werden.“ (H. Grill)

Lernfragen

Wo hält sich das Bewusstsein bei der Asana auf?

Was ist der Ausdruck einer Yogaübung?

Pädagogik im Yoga: Wie ist die Korrektur einer Yogaübung und das Erschaffen eines Gefühls aus dem Grundgedanken?

Hat man einen Gedanken, mit dem man den Körper formen will, ist dieser vorhanden, dann hat die Asana einen Ausdruck, einen seelisch geistigen Ausdruck. Was heißt das? Es gibt eine Körperform einer Übung, die jeder automatisch hat. Dies ist mit Ausdruck nicht gemeint. Auch ist nicht die Fortschrittlichkeit oder die körperliche Kraft gemeint. Denkt man eine Idee, wie zum Beispiel das Heranziehen des Beines, die zwei sich ausdehnenden Linien, dann zeigt sich diese Idee im Ausdruck der Übung. Der Ausdruck ist nicht die körperliche Form, sondern die ästhetische Form, mit der der Körper geformt wird. Der Körper erhält so eine neue Form.

Lernschritte

Man geht nicht vom Körper aus, sondern vom Gedanken. Wichtig ist zu bemerken, wenn wir abschweifen.

Zuerst braucht man ein Bild und muss wissen, wo man hin will. Erst lässt man los, man wird freier vom Körper, dann kann die Dynamik kommen.“ (Heinz Grill)

Die einfachste Form mit dem 6. Zentrum im Yoga ist, dass eine Art Wahrnehmung vorhanden ist und dass wir eine Stellung überschauen und etwas lenken können. Man verliert nicht die Führung, sondern bewahrt die Übersicht. Eine weitere Bedeutung hat es, etwas zu Ende zu führen. Der Mensch braucht heute das Gefühl, eine Sache zu Ende zu führen. Es ist das Gefühl, etwas rund zu einem Ende zu führen. Der Körper spielt keine Rolle mehr, man wird ruhig und lebt im geistigen Bild.

„Wir müssen uns frei machen vom Körper, um Kraft einzusetzen, nicht gleich mit ganzer Kraft in die Übung hineingehen.“ (Heinz Grill)

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4. Die Arbeit mit Texten

Der Unterschied zwischen Spekulation und Entschlüsseln

Texte, Textstellen, Bibelstellen, Texte mit geistigen Wahrheiten können sich aussprechen, wenn man sie in der Konzentration längere Zeit anschaut und erhebt. Die gedachten Gedanken werden dann ätherisch angehoben. Der Prozess der Konzentration ist hier ebenfalls wesentlich. Es gilt, nicht abzuschweifen und den Gedanken als Idee längere Zeit mit dem Bewusstsein aufmerksam zu halten und sich vorzustellen. Aus dem Gedanken entwickelt sich ein Bild, eine lebendige Vorstellung. Man beginnt den Text zu erleben. Sehr interessant ist, dass der Gedanke aus sich selbst heraus lebendig wird und sich einem dann mit der Zeit wie „entschlüsselt.“

Der Lernschritt:

Wenn man interpretiert oder assoziiert, dann entsteht kein Konzentrationsprozess auf den Text, sondern eine Art Vermischung von persönlichen, subjektiven Erfahrungen mit dem Text. Es handelt sich um Spekulation. Deshalb kommt man auf diese Weise nicht der tieferen Aussage in einem Text näher.

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5. Das Tageskonzept

Bei dem Tageskonzept geht man wie ein Architekt vor: Denken, Planen, Verwirklichen.

Der Lernschritt:

Wichtig ist die Unterscheidung zwischen Wunsch und konkretem Gedanke. Man will einen guten Unterricht schaffen – das ist ein Wunsch, aber es ist noch keine Substanz, wie wir es tun. Mit welcher Substanz, mit welchem Inhalt gehen wir herein? Es muss eine Seelensubstanz hinzukommen, denn damit können wir erst arbeiten.