Die große Bedeutung „wie“ wir mit Gedanken umgehen –

Meditation als Kunst Gedanken freizulassen und zu betrachten

(Zusammenfassung von Inhalten des spirituellen Lehrers Heinz Grill vom 30.12.21)

Vielleicht kann man grundsätzlich sagen, es gibt zwei Arten, wie wir mit Gedanken umgehen können, auf schöpferische – und auf konsumierende Weise. Man hört oder liest zum Beispiel einen Gedanken von einem spirituellen Lehrer wie Heinz Grill oder von Rudolf Steiner oder man macht auf einen dieser Gedanken eine Meditation.

Der schöpferische Umgang mit Gedanken

Der Mensch kann grundsätzlich von einem Gedanken eines anderen Menschen ausgehen. Man nimmt den Gedanken ernst und behandelt ihn mit der Gewissheit, als sei er wahr und geht unmittelbar von ihm als Wirklichkeit aus. In diesem Falle hat ein Gedanken für den Menschen auch eine Konsequenz. Es entsteht zu dem Gedanken eine ganz neue Empfindungssubstanz, ein Erleben. Man überlegt ihn weiter, erwägt Hintergründe des Gedanken und Folgen. Man entwickelt aus dem Gedanken dann ein Bild, dass immer mehr Substanz gewinnt …

Jede Vorstellung ist eine Verallgemeinerung, und diese gehört dem Denken an. Etwas allgemein machen, heißt, es denken. Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1770-1831)

Hierfür muss er längere Zeit einen Gedanken betrachten und in der Konzentration bewahren. Denkt jemand einen Gedanken auf diese Weise für einige Minuten und wiederholt er mehrmals über einige Tage dieses Denken, dann wird sich sehr schnell zeigen, ob der Gedanke tatsächlich eine Wahrheit beinhaltet oder nicht. Man hält dabei als Disziplin alle subjektiven Reaktionen, Gedanken, Gefühle von einem selbst zurück und betrachtet den Gedanken frei. Man lässt ihn frei.

Die wirkliche Kraft, welcher in dieser Welt alle Dinge gehorchen müssen, ist die geistige Anschauung, geistige Einsicht und geistige Entschlossenheit. Thomas Carlyle (1795 – 1881)

Das konsumierende Denken

Das Gegenteil dieses schöpferischen Denkens eines Gedanken ist das konsumierende Denken. Dieses Denken bleibt sozusagen beim „Hören“ stehen. Man hört Gedanken, liest oder meditiert über einen Gedanken und denkt sich innerlich:

“Schön hört sich dieser Gedanke an, den nehme ich noch mit zu mir auf!” Und weil man innerlich in sich vielleicht etwas Leere erlebt, nimmt man den Gedanken, und mischt ihn mit in sein Bisheriges hinein.

Dies ist ein Geistkonsum. Die spirituellen Gedanken, die Menschen entwickelt haben, erhalten nämlich auf diese Weise keine Kraft mehr, sie strahlen nicht mehr aus, ja sie verlieren ihre geistige Substanz und werden wie „verschluckt“.

Die Meditation auf konkrete Gedankeninhalte

Die Fähigkeit einen Gedanken als Wahrheit zu behandeln ermöglicht eine große Freiheit und ist auch mit Verantwortung verbunden. Es ist die Freiheit von der eigenen Subjektivität hin zu der Objektivität und Realität und Aussage eines anderen Menschen. Macht man einen Gedankeninhalt zum Meditationsobjekt, dann hat es eine große Bedeutung, wie wir mit dem Gedanken umgehen. Gerade dann entsteht die Freiheit, wenn wir fähig werden, jeden Gedanken als wahr betrachten zu können und von diesem ausgehend zu denken. Dies ist mit jedem Gedanken unmittelbar und immer möglich. Wir können dann bewusst den Anfang unseres Denkprozesses steuern und den Ausgangsgedanken setzten und bestimmen. Damit können wir bewusst von verschiedenen Gedanken ausgehen und denken lernen, Gedanken wirklich prüfen sowie inhaltlich und fachlich durchdringen.

Wie die Substanz der Materie die Schwere ist, so müssen wir sagen, ist die Substanz das Wesen des Geistes, die Freiheit. Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1770-1831)

Bild: Die Flamme aus geflochtenen Haselruten in Naone am ersten Neujahrstag 2022

Meditation – Gedankenkonsum oder Gedankenfreisetzung

Eine Konsumhaltung von Gedanken ist auch sehr leicht in Meditation möglich. Assoziiert man einen Gedanken mit seinen eigenen Gedanken, baut man geistige Gedanken in sein Innenleben ein. Der Gedanke verliert in diesen Augenblick seine Ausstrahlung und Kraft. Als Lernschritt ist es sehr interessant, wenn man aufmerksam wird, dass man sich vielleicht unbewusst denkt:

Erstens, der Gedanke ist ja nicht von mir, zweitens verstehe ich ihn (noch) nicht, drittens kenne ich das Thema zu wenig – und deswegen kann ich nicht von dem Gedanken ausgehen, und erst wenn ich ihn verstehen würde, könnte ich ihn als wahr annehmen. – deswegen nehme ich den Gedanken nicht ganz ernst. Erst wenn ich ihn verstehen würde, könnte ich von ihm ausgehen.

Denkt man dies, dann beraubt man sich selbst damit die Möglichkeit des wirklichen Denkens. Auch in jeder Kommunikation und auch im Leben hat dies eine weitreichende Bedeutung. Gehe ich wirklich von einem Gedanken eines anderen Menschen aus und nehme ich ihn als wahr? Höre ich in einem Vortag oder Gespräch wirklich zu und weiß, was der andere sagt, oder verkette ich das Gehörte sofort mit meinen eigenen Gefühlen? Setzte und beginne ich im Gedanken des anderen oder in meiner eigenen Subjektivität?

Den Gedanken selbst als solches frei und bewusst wahrzunehmen und sich vorzustellen ist eine bewusste und schöpferische Tätigkeit. Dies ist unmittelbar mit jedem Gedanken möglich.

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