Die winterliche Sphäre

Sphären in der Natur und ihre Wirkungen bewusst erkennen und erleben lernen . (Inhalt aus der Yogalehrerausbildung, Referent Heinz Grill, 4.12.21 )

Welche Wirkung hat eigentlich die winterliche Sphäre auf den Menschen, auf seine Gesundheit?

Gerade in der Natur gibt es viele Stimmungen, Atmosphären zu erleben. Oft empfindet man sie mehr unbewusst, sucht sie auf, man hat einen Wunsch nach einem bestimmten Erleben. Wie erlebt man die winterliche Sphäre? Man könnte jetzt spekulativ sofort antworten. Die Antwort bleibt aber so noch Spekulation, eher ein Raten. Wenn man wirklich eine fundierte Antwort finden will, dann ist der Lernschritt, dass man beginnt, selbst die Atmosphäre anzuschauen und aus dieser Anschauung heraus zu ersten Antworten zu gelangen.

Wie ist es, wenn man im Winter, auf einer gefrorenen Schneedecke einen Weg nach oben wandert?

Der feste, gefrorene Schnee knirscht unter den Füßen, die Blätter sind regelrecht wie gefroren und fest geworden. Die fröstelnde, trockene Kälte zieht den Körper in den Gliedern empfindungsmäßig zusammen. Der Boden, die Erde, sie wird zentrierter, wie kristalliner.

Der ganze Boden unter den Füßen ist fest und hart, die Äste und Baumstämme sind karg, ohne das saftige Grün der Blätter. Man erlebt den Gegensatz des Festen,  Zentrierten des Bodens, der Erde zu der weiten und freien, offenen obere Sphäre und dem Licht. Der obere Bereich, das Licht und der Himmel wirkt reiner. Da die Bäume ihr Laub verloren haben, kann das Licht bis auf die Erde kommen, und es trifft auf Stellen, auf die es sonst, wegen des Wachstums der Pflanzen und deren Schatten nicht trifft.

Die Anschauung ist das Fundament aller Erkenntnis.” Johann Heinrich Pestalozzi (1746-1827)

Und man selbst geht und bewegt sich nun zwischen diesen beiden gegensätzlichen Sphären. Zwischen oben und unten, zwischen Zentrierung unten und lichter, reine Offenheit oben. Wenn man diese Sphäre den ätherischen Kräften zuordnet, dann beschreibt diese exakt die Wirkung und das Erleben des Lebensäthers. Der Lebensäther zeigt sich in zwei gleichzeitigen Bewegungen: 1. Der inneren Zentrierung zurück zum Erdmittelpunkt und das immer freier und offener werden nach oben hin zum Kosmos.

Jetzt war die Frage: Wie wirkt diese Sphäre auf den Menschen und auf seine Gesundheit?

Die Frage ist nun sehr viel näher und ergibt sich fast aus den vorher gemachten Beobachtungen wie von selbst. Indem man sich in seinem Körper zentrierter erleben, heißt das eigentlich, dass das ganze Nervensystem zentriert und ruhig und klar wird. Das Materielle, der Körper, zentriert sich stärker bis in die Wirbelsäule mit ihrem innersten Rückenmark hinein. Das Nervensystem sich zentriert ist nicht selbstverständlich und es erfolgt auch oft nicht automatisch. Oft ist es sogar so, dass automatisch die Regungen des Stoffwechsels, heftige Gefühle und Willensregungen die ganze Zeit das Nervensystem unruhig bewegen und wie hin und her wirbeln und damit dezentrieren. Man erlebt sich dann selbst innerlich wie „nicht in sich selbst zentriert“. Zu einer Stärkung des Nervensystems führt es deswegen, wenn der Körper ruhig wird und sich wie in sich selbst zu einem Mittelpunkt zurückzieht. (Das wäre fachlich bezeichnet das 1. Zentrum (muladhara-cakra) am untersten Ende der Wirbelsäule gelegen; dem Mittelpunkt des Körpers). Die Regungen und Wallungen werden ruhig, schweigen und damit eröffnet und weitet sich zugleich ein neuer, reinerer Raum. Die winterliche Sphäre wirkt deswegen formbildend auf das Nervensystem.

Erkenntnisentwicklung durch objektive Anschauung – Das geistige Schauen

Die Grundlage alles methodischen Verfahrens ist die sichere Anschauung, die vom subjektiven Vorstellen befreit, sich objektiv in den jedesmaligen Gegenstand versenkt.” Augst Boeckh (1785-1867)

Jene Art die Natur durch eigene Anschauung zu betrachten und dadurch zu Erkenntnissen zu gelangen, wird auch als geistiges Schauen bezeichnet. Diese zeichnet sich dadurch aus, dass man objektiv und immer wieder neu Anschauungen bildet, und damit immer wieder neue Vorstellungen entwickelt.

Abschließend ein Gedicht von Heinz Grill zur winterlichen Sphäre

Die 12 heiligen Rauhtage (Heinz Grill)

Licht,

kräftigendes, ätherisches Licht

unter der Himmelsbläue

in karsten Wintertagen.


Fruchtbare, fröstelnde Sphäre,

im Winterlicht glitzert

ein unbesähtes Feld Hoffnung.


Wir sind es

die sähen selbst

alle großen Gedanken

in das fruchtbringende Licht der Sphäre.

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