Die Zentrierung – in der Wirbelsäule, im Bewusstsein und in einem Ideal

Bei Buddha-Statuen im Lotussitz kann man z.B. gut die aufgerichtete und zentrierte Wirbelsäule sehen.

Die Ausarbeitung eines Wortes in verschiedenen Ebenen wird als Seelenübung in dem Buch „Übungen für die Seele“ beschrieben. Ein Begriff erhält auf diese Weise konkrete Vorstellungen. Dieser Inhalt war Teil der Yogalehrerausbildung vom 10. /11. 9. 2021.

Anmerkung zum Beitragsbild: Bei Buddha-Statuen im Lotussitz kann man zum Beispiel gut die aufgerichtete und zentrierte Wirbelsäule erkennen.

Die Zentrierung in der Wirbelsäule

Meist versteht man unter der Bezeichnung “Zentrierung der Wirbelsäule” eine Art von Fixierung. Dies sei mit Zentrierung hier nicht gemeint. Es gibt Körperhaltungen, in denen man die Wirbelsäule mehr als innere „Achse“, als inneres „Zentrum“ erlebt, als in anderen Haltungen. Diese Körperhaltungen geben ein Empfinden von einem Zentriertsein in der Wirbelsäule. Im Lotus zum Beispiel kann man die Wirbelsäule besonders zentriert empfinden. Als Lernschritt wurde das Erleben eines Zentriertseins in der Wirbelsäule in verschiedenen Yogaübungen bewusst entwickelt. Grundsätzlich auf den Menschen bezogen kann man sagen, dass das Erleben eines Zentriertseins in der Wirbelsäule damit zusammen hängt, dass man einen Gedanken, eine Idee ausarbeitet. (siehe Zentrierung im Bewusstsein)

Die Yogaasana kann im Allgemeinen das Erleben der Wirbelsäule als zentrale Achse förderlich beeinflussen. Während dieses Aufrichtens der Wirbelsäule erlebt der Übende die zentrale Achse seines Körpers.

Die Arme, der Hals und Kopfbereich werden entspannt und führen/tragen die Wirbelsäule nach hinten hinaus

Schließlich werden die Arme geschlossen und man zieht sich über die Arme mit der Wirbelsäule in die Rückwärtsbeuge – Die Wirbelsäule wird als zentrale Achse erlebt

Die Zentrierung im Bewusstsein

Was heißt das eigentlich, dass man sein Bewusstseins so zentriert, dass man es in jeder Situation verfügbar halten kann?

Wenn man sich mit seinem Bewusstsein zu einer äußeren Sache, einem Gegenstand, einer Situation etc. hin zentrieren kann, sein Bewusstsein führen kann, dann kann es weniger abgelenkt werden oder von äußeren oder inneren Emotionen überwältigt und fremdgeleitet werden. Man kann dann sagen, dass man auf diese Weise in seinem Bewusstsein stärker zentriert ist und das Bewusstsein verfügbar bleibt. So wie man sich in seinem Bewusstsein in einer Sache zentrieren kann, kann man sich auch bewusst in einem Gedanken zentrieren. Wenn ein Mensch einen Gedanken länger denkt und ihn so durcharbeitet, dass er in jeder Unterrichtsform, in jeder Situation anwendbar und verfügbar ist, dann erlebt er sich in einem Gedanken zentriert. Er kann diesen Gedanken flexibel anwenden, er ist ihm immer verfügbar. Der Lernschritt ist: wenn man einen Gedankeninhalt nicht richtig ausarbeitet und stattdessen mit subjektiven, gefühlsmäßigen Wünschen vermischt, dann entsteht ein anders Ergebnis. Man erzeugt dann seine eigene gefühlsmäßige Welt – wie noch einmal in all dem, was man tut und man bringt dann in seinen Taten nicht eine geistige Schaffenskraft zum Ausdruck. Grundsätzlich ist die Konsumhaltung das Gegenteil von einer sich entfaltenden Schöpferkraft, sie ist wie eine einsaugende Kraft, man nimmt in sich hinein. Damit entsteht ebenfalls keine Zentrierung im Bewusstsein, sondern starke Unruhe.

Auf die Yogaübungen bezogen kann man auch einen Gedanken, eine Idee schöpferisch zum Ausdruck bringen. Diese Idee strahlt dann aus einer Yogaübung aus, wenn man sie sich erarbeitet hat. Die Yogaübung erhält dann eine Ausstrahlung bzw. einen geistigen Ausdruck. Auf die Korrektur einer Yogaübung bestand der Lernschritt darin, dass man als als Lehrer den zu Korrigierenden zu einem Bewusstsein und einer Idee führen kann oder den Schüler in sein eigene subjektive Welt “hineinkorrigiert”. Es sollte durch die Korrektur, der Übende grundsätzlich mehr zu der Yogaübung bzw. zu einem konkreten Gedanken einen Bezug erhalten.

Die Zentrierung im Inhalt bzw. im Ideal oder in einem höheren Sinn

Eine nächste Stufe bildet die Zentrierung in einem Ideal. Diese entsteht, indem man einen geistigen Inhalt mit universaler Gültigkeit ausarbeitet. Der Mensch wird dann zum Repräsentant dieses Ideales und er entwickelt durch diese Zentrierung in einem Inhalt eine sehr starke Zentrierung in seiner Persönlichkeit und zugleich eine große Offenheit und Stabilität nach außen. Er erlebt sich dann in sich sehr stark zentriert, er fühlt eine Kraft in seiner Persönlichkeit und auf der anderen Seite steht er der Welt und seinen Mitmenschen frei gegenüber. Er steht “selbst-ständig“, er hat „Haltung“, er repräsentiert mit seiner „Individualität“ eine schöpferische Kraft. Dann, wenn ein geistiger Inhalt durch einen Menschen ausgearbeitet wird, individualisiert wird, repräsentiert der einzelne Mensch diesen Inhalt, er wird zu seiner authentischen Persönlichkeit. Heinz Grill beschreibt in seiner geistigen Schulung diese Entwicklung repräsentativ als die Ausbildung des Herzzentrum des Menschen.

Das Gegenbild von einer Individualität ist, dass der Mensch nur in einem Gruppengefühl beheimatet bleibt und selbst nicht eigenständig in einer eigenen, bewussten Formung sein Leben in die Hand nimmt. Wenn er selbst unabhängig werden möchte, muss der Mensch gerade lernen, selbst seinem Leben Form und Gestalt zu geben. Dann steht er eigenständig und unabhängig von Gruppengefühlen oder Gruppenbewegungen als Individuum der Welt schöpferisch gegenüber.

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