Der Inhalt und der “Nicht-Inhalt” im gesprochenen Wort – ein praktisches Experiment mit Dr. med. Jens Edrich

Man kann aus ‘Nicht-Inhalten’ Inhalte erzeugen.”

Das Experiment

Die Übung ist einfach, aber sehr ausdruckskräftig: jemand spricht ein und den gleichen Satz einmal mit Inhalt und einmal als “Nicht-Inhalt” aus und es werden die Wirkungen bei den Hörern wie auch bei dem Redner erforscht. Als dritter Schritt wird aus der Aussage ohne Inhalt der Inhalt erzeugt.

Folgende Aussage wird von Jens Edrich einmal ohne und einmal mit Inhalt gesprochen: “Der Mensch hat ein nachtodliches Leben.”

Die Aussage ohne Inhalt und ihre Wirkung

Als der Satz ohne Inhalt ausgesprochen wird, entstehen bei den Zuhörern sehr schnell Abwehrreaktionen. Die Aussage wirkt wie ein Dogma, sie ist regelrecht gewaltig und fest, und man wird nicht zu dem Inhalt angeregt und entwickelt als Zuhörer keine weiteren Fragen, Überlegungen, sondern bleibt in einer Abwehrhaltung und Antipathie, ja man wird sogar in eine Gegenreaktion getrieben. Es entsteht damit keine Verbindung zu dem Thema und zu anderen Menschen, sondern eine Spaltung. Diese Reaktionen konnte man bei allen Teilnehmern feststellen. Indem wir mit Antipathie auf den Redner reagieren, geben wir jedoch unsere Energie genau dieser Person hin. Bei dem Redner entstand im Gegensatz dazu das gierige Gefühl der Energie, das mächtige Gefühl, die Aussage für sich zu besitzen. Der Redner fühlte sich von den Zuhörern durch ihre Reaktion sogar darin bestärkt, weiter in diesem Gefühl zu bleiben.

Die Aussage mit Inhalt und ihre Wirkung

Wird dieselbe Aussage mit einem Inhalt ausgesprochen, wird eine bemerkenswert andere Reaktion erlebbar. Es entsteht ein Interesse an den Worten, man denkt selbst den Inhalt weiter, wird in seinem Gedankenleben angeregt und stellt gleich innerlich zu dem Thema weitere Überlegungen an. Man verspürte als Hörer den Wunsch, mit demjenigen, der die Aussage ausgesprochen hat, ein Gespräch zu beginnen. Bei der Aussage mit einem Inhalt entstand im Raum keine Abwehr, sondern ein Interesse, ein Kommunikationsraum. Damit ein Inhalt existiert, muss er von dem, der spricht, bewusst erzeugt werden, er muss sich den Inhalt denken und im Moment des Sprechens erschaffen, damit er vorhanden ist. Der Redner sagt etwas nicht nur so dahin oder vertritt einen dogmatischen Anspruch, sondern er spricht die Worte in wachem Bewusstsein aus.

Die Erzeugung eines Inhaltes aus einem Nicht-Inhalt

Die letzte Übung ist wohl am interessantesten und lehrreichsten. Indem man, wie beim ersten Mal, einen Nicht-Inhalt nur abwehrt, verbleibt man bei einer rein emotionalen Reaktion, bleibt passiv. Wenn man einen “Nicht-Inhalt” jedoch wahrnimmt und sich fragt: Was fehlt, was wäre denn eigentlich der Inhalt?“, wird man geistig aktiv und erzeugt dann aus einer Aussage, die ohne einen Inhalt ausgesprochen wurde, den Inhalt.

Der Lernschritt dieser Übung war, dass dieses Entgegengehen auf einen “Nicht-Inhalt” sowohl etwas mit dem Menschen macht, den wir auf diese Weise anschauen, wie auch mit uns selbst. Sowohl derjenige, der spricht, wie auch die Zuhörer konnten nämlich nicht mehr im “Nicht-Inhalt” bleiben. Der Redner musste seinen “Nicht-Inhalt” verlassen und die Zuhörer konnten nicht in ihren Antipathie- und Abwehrreaktionen bleiben. Es entsteht dann stattdessen der Inhalt im Raum, der ganze Raum ist wie angehoben und bleibt in einer freien Atmosphäre. Der Lernschritt war, dass in der Erzeugung von Inhalten, ausgehend von “Nicht-Inhalten”, deswegen eine große Möglichkeit liegt. Man verliert damit dann auch nicht seine Energie durch die Antipathie und Abwehr an den Redner, sondern reagiert bewusst, erschaffend und verwandelnd und erzeugt den Inhalt – und das gerade dann, wenn er in einer Aussage nicht lebt.

Folgendes Video zeigt das Experiment, das mit Referent Jens Edrich an der spirituellen Hochschule durchgeführt wurde.

Ab Minute 1: Eine Aussage mit “Nicht-Inhalt”

Ab Minute 5:32: Eine Aussage mit Inhalt

Ab Minute 14:16: “Die Erzeugung eines Inhaltes aus einem Nicht-Inhalt”