Zukunftsperspektiven

Wie könnte es sein?

Habe ich es schon gedacht, wie es sein könnte?

Das Fach Zukunftsperspektiven beginnt damit, dass man das zu denken beginnt, was noch nicht ist, dass man denkt, wie es sein könnte. Indem man beispielsweise gegen etwas ist, etwas ablehnt, bezieht man eine Gegenposition. Man kann zwar gegen etwas sein, aber man sollte nicht dort stehen bleiben. In einer Haltung, in der man Dinge ablehnt, existiert noch kein zukunftsfähiger Gedanke, wo man statt dessen hinstreben könnte. All das erst, was gedacht ist, das kann sich verwirklichen.

Denkt man sich die Haltung des Dagegen-Seins auf eine sehr extreme Weise, z. B. in Form des politischen Aktivismus, dann geht man gegen die Dinge, gegen Politiker, gegen Personen, gegen Systeme und erlebt sein „Ich“ hauptsächlich in der Haltung des Dagegen-Seins. In diesem politischen Aktivismus nährt man aber mit seiner Person gerade all dasjenige, gegen das man ist. Es fehlt die Substanz, für die man stehen und als Mensch konstruktiv wirken könnte. Man steht nicht selbst für einen Inhalt oder auch Lebenssinn. In einer polaren Haltung ist es schließlich sehr schwer, an erbauenden Gesprächen über die Zukunft mitzudenken oder auf eine Idee mit Zukunftsvision zu zugehen. Bleibt man in einem Gespräch in der „Haltung des Dagegen-Seins“ oder will man anderen unter allen Umständen „beibringen“, wie verkehrt die Welt ist, will man andere nur noch „überzeugen von allem Übel der Welt und belehren“, dann kann man in dieser Welt wie gefangen sein. Die polare Haltung gegen etwas führt noch nicht in eine Zukunft mit neuen erstrebenswerteren Möglichkeiten, sondern sie verstärkt leider sogar die Polaritäten. Man sollte sich auch nicht in diese Polaritäten hineintreiben lassen, denn diese sind vielmals gewünscht und beabsichtigt.

Auch indem man sich eine bessere und andere Welt wünscht, ist noch kein Gedanke vorhanden, wie diese bessere Welt ausschauen könnte. Ein Wunsch nach Frieden, nach einer ökologischen Lebensweise braucht eine sehr konkrete, formulierbare Vorstellung, wie dies ausschauen kann. Es braucht hierfür sehr konkrete Vorstellungen und Gedanken, die sich der einzelne Mensch zuerst bildet.

Das Ich, der individuell wirksame Mensch, der für seine Mitmenschen und die Welt etwas Förderliches schafft, erkraftet durch einen Inhalt, durch einen Seeleninhalt, durch das, was er schaffen kann und wofür er im konstruktivem Sinne leben will. Das Ich entsteht und bildet sich aus dem Bewusstsein, aus der Substanz, in der die Seele erkraftet. Das Ich braucht diese Substanz, die Idee, wofür es eintreten möchte. Diese Idee hat Universales, etwas was für alle Menschen einen Wert hat, ein Ideal, ein Ziel, mit universalem Wert und Sinn. Es ist wichtig, Negatives anschauen, es zu studieren, aber man sollte nicht dort stehen bleiben, sondern sich überlegen, wie es idealer sein könnte und dies durch seine eigene Person wirksam machen.

Die Bildung des Seeleninhaltes beginnt deswegen nicht in einem Gefühl, in einem Wunsch/Willen, sondern in einem konkreten Gedanken, den man sich bildet. Der Gedanke bildet den Anfang, aus dem gedachten Gedanken reift ein Gefühl heran und schließlich, wenn man den Gedankenkinhalt realisiert, verwirklicht man selbst den Inhalt. Ein Seeleninhalt ist ein selbst erkannter und verwirklichter Wert, ein Sinn, ein universales Ziel, das man mit seiner Person schließlich authentisch verkörpert und für seine Mitmenschen ausstrahlt. Dieses Erdenken von konkreten zukunftsfähigen Inhalten, das Entwickeln von Möglichkeiten, wofür man leben möchte, ist Ziel des Faches „Zukunftsperspektiven“. Das Erdenken der Zukunft kann nicht nur gegenüber der eigenen Zukunft, sondern auch gegenüber der Zukunft eines anderen Menschen, eines Landes oder eines Betriebes, etc. erfolgen.

Quellen zur Vertiefung und zum Studium

Artikel von Heinz Grill

Welche Dimension hat in der heutigen Zeit bleibenden Bestand?

Die Vergänglichkeit im Verhältnis zu unvergänglichen Werten